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Freitag, 06 März 2009 09:06

Herzogenaurach schöpft Hoffnung

geschrieben von
04.03.09  Von: Bernhard Panzer und Christoph Hägele

Berlinreise Eine Delegation aus der Schaeffler-Stadt warb um finanzielle Unterstützung für den angeschlagenen Konzern. Sie trafen sich mit Wirtschaftsminister Guttenberg und Alt-Kanzler Schröder.

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Landrat Eberhard Irlinger und Bürgermeister German Hacker (von links) übergaben Unterschriftenlisten an Wirtschaftsminister Karl Theodor zu Guttenberg (rechts). Mit im Bild der Erlanger Bundestagsabgeordnete Stefan Müller. Foto: privat
 

 

Zwei Männer auf schwieriger Mission. Gestern früh haben sich German Hacker, der Bürgermeister Herzogenaurachs, und Landrat Eberhard Irlinger auf den Weg ins politische Berlin gemacht. Bei zahlreichen Treffen warb das Duo um staatliche Unterstützung für den in Schieflage geratenen Schaeffler-Konzern.

Der Auto-Zulieferer aus Herzogenaurach hat sich durch die Übernahme des Reifenherstellers Continental verspekuliert und hoch verschuldet. Die Bücher weisen eine Eigenkapitallücke von mindestens fünf Milliarden aus, während sich die Schulden auf rund zwölf Milliarden Euro belaufen. Den Staat hat Schaeffler angeblich um Beihilfen in Höhe von sechs Milliarden Euro ersucht. Noch aber hat die große Koalition keine eindeutige Position bezogen. Derweil warnen Experten vor einem ordnungspolitischen Sündenfall, wenn der Staat bei riskanten Unternehmensentscheidungen mit Milliarden einspringen würde.

„Die Bereitschaft zur Staatshilfe ist vorhanden, die Betroffenheit der Menschen vor Ort wurde erkannt.“
German Hacker

Am Vormittag hatten Hacker und Irlinger ihr Anliegen dem parlamentarischen Staatssekretär im Bundesarbeitsministerium Klaus Brandner vorgetragen. Auch Mitglieder des Schaeffler-Betriebsrats, der IG Metall sowie Bundestagsabgeordneter Stefan Müller nahmen an dem Treffen teil. Gegenüber unserer Zeitung gab sich Hacker anschließend überzeugt, dass die Bereitschaft zur Staatshilfe in Berlin grundsätzlich vorhanden sei. Man habe Brander „die Bedeutung von Schaeffler nahe gebracht und ein sehr differenziertes Bild" von der Firma gezeichnet.

ch Angaben von Annika Fritzsche, Pressesprecherin des Landratamts, „sicherte Brandner nachdrücklich Unterstützung für Schaeffler und Conti zu.“ Der Staatssekretär habe erkannt, welche Bedeutung das Unternehmen als systemrelevanter Betrieb für ganz Deutschland besitze. Immerhin beschäftige Schaeffler gemeinsam mit Continental bundesweit 80.000 Arbeiter. Auch die Potenziale, die durch die Fusion von Schaeffler und Continental entstehen, seien keineswegs in Zweifel gezogen worden. Auch Brandner sei der Überzeugung, dass eine Zerschlagung viele Arbeitsplätze kosten würde. Brandner brachte weiterhin ins Gespräch, dass dem Konzern auf Basis des Finanzmarktstablisierungsgesetzes geholfen werden könnte. Dieses wird aller Voraussicht nach Ende dieser Woche verabschiedet werden.

Nach Angaben von Landrat Eberhard Irlinger hat Alt-Kanzler Gerhard Schröder versichert, die Einhaltung der Investoren-Vereinbarung zu überwachen. Schröder rechne damit, dass die Banken in Kürze über die finanziellen Perspektiven der Unternehmen Einvernehmen herstellten. Nur so könnte ein weiterer Wertverlust vermieden und die Sicherheit der Arbeitsplätze nicht gefährdet werden.

Nachmittags übergab die Delegation aus Herzogenaurach dann an Wirtschaftsminister Karl Theodor zu Guttenberg ein Paket mit 30.000 Unterschriften von Schaeffler-Mitarbeitern und Bürgern. Unter dem Motto „Wir alle sind Schaeffler“ unterstützen sie das Anliegen, der in Finanznot geratenen Firma mit staatlichen Hilfen zu helfen. Sprecherin Annika Fritsche,teilte später mit, Guttenberg sei „guten Willens“ und werde gerne als Brückenbauer auftreten.

Keine Hilfe ohne Konzept

In den vergangenen Tagen hatte Guttenberg jedoch wiederholt ein schlüssiges Finanzierungskonzept von der Unternehmensleitung angemahnt. Ohne dies könne der Staat keineswegs finanzielle Hilfe gewähren. Auch German Hacker ist nach dem Gespräch im Wirtschaftsministerium klar, „dass es ohne ein solches Konzept auch keine Hilfe gibt“.

Weil Schaeffler dieses Konzept noch immer schuldig geblieben ist, hängt über möglichen Hilfen aber noch immer „ein großes Fragezeichen“, so der Bürgermeister. Am selben Tag wurde in Berlin bekannt, dass in den nächsten Tagen Kredite und Bürgschaften aus dem 100 Milliarden umfassenden „Wirtschaftsfonds Deutschland“ beantragt werden können. Zu den ersten Kandidaten werden Opel und Schaeffler gezählt. Der Hilfsfonds besteht aus Krediten der staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) in Höhe von 25 Milliarden und Bürgschaften über 75 Milliarden Euro. Allerdings ist die Bewilligung der Hilfen an eine Reihe von Voraussetzungen geknüpft.

Vor allem muss eine besondere volkswirtschaftliche Förderungswürdigkeit festgestellt werden. Für Bürgermeister Hacker erfüllt Schaeffler diese Bedingungen aber allesamt. Das Unternehmen sei systemrelevant und besitze eine gute Marktposition. Deshalb zeigte er sich am Abend durchaus optimistisch. Alle Gesprächspartner hätten ihre Unterstützung signalisiert, so dass Hacker ein zufriedenes Fazit zog: „Der Boden ist bereitet. Am Staat wird’s nicht scheitern.“

Quelle: Fränkischer Tag
(www.infranken.de)

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